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Weltmeister werden nicht geboren - Weltmeister werden gemacht!

20. Okt 2014 - 12:23 Uhr

Vorher Überlegen macht nachher Überlegen, und: Menschen machen den Unterschied! So oder ähnlich müssen Joachim Löw und sein Team auf dem Weg zu unserem „vierten Stern“ gedacht und gehandelt haben. Dabei können die angewendete Strategie und die entsprechenden Maßnahmen nicht nur „auf dem Platz“, sondern genauso in der globalen Wirtschaft zum Titel führen.

 

Gerade am Beispiel „unserer Weltmeister“ sind die Erfolgsfaktoren für  eine wirkungsvolle Strategie-Entwicklung und für die begeisternde Führung von Mannschaften einfach nachzuvollziehen. Die Bausteine und Vorgehensweise um sich am Schluss gegen harten Wettbewerb durchzusetzen sind wie folgt:

 


1. „Wir wollen Weltmeister werden!“
Was ist Ihre Mission in Ihrem Unternehmen?


Dies war die klare Zielsetzung von Jogi Löw und seinem Team beim Aufbruch zur Mission Brasilien 2014.

Die Frage für die Unternehmen und deren Verantwortlichen ist: Was ist Ihre Mission, was begeistert Ihre Mitarbeiter/innen zu außergewöhnlichem Einsatz, zu Zusammenhalt und zu Zusammenspiel innerhalb der verschiedenen Abteilungen?

Dabei ist es egal, ob man sich vornimmt Weltmeister, Marktführer oder „Beliebtester Arbeitgeber“ zu werden, neue Geschäftsfelder und Märkte zu erschließen, oder besonders herausfordernde Absatzziele zu setzen. Die ideale Mission muss „greifbar“ und nachvollziehbar, gleichzeitig herausfordernd und machbar, aber auch messbar – bzgl. Zeithorizont und erwartetem Ergebnis – sein.  Ehrgeizige Ziele helfen, den Fokus zu schärfen und den Einsatz der Mannschaft hoch zu halten.

 


2.   „Immer weiter, Immer weiter!“
Oder müssen Sie nicht doch die Stärken Ihrer Mitarbeiter genau kennen?


Reicht eigentlich dieser legendäre Satz von Ex-Nationaltorwart Oliver Kahn um erfolgreich zu sein, oder sollte man sich eher auf seine wirklichen Stärken verlassen? Bei unseren Weltmeistern war von Anfang an klar, dass die Eckpfeiler für das zu wählende Spielsystem Manuel Neuer als „Fußballspielender Torwart“ und flexibel einsetzbare Spieler - v.a. Lahm, Götze, Müller und Schürrle - waren.

Die große Herausforderung für Führungskräfte auch in Unternehmen besteht darin, herauszufinden, auf welche tatsächlichen Stärken man bauen kann und wie man diese  in Wettbewerbs-Vorteile verwandelt. Dazu hat sich ein Cross-Funktionales Vorgehen, auch mit dem Blick über den „Tellerrand“, bewährt. Eigene Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen sowie externe Experten (auch aus artverwandten Branchen) werden sich über die eigenen Kernkompetenzen und besonderen Stärken klar und stellen diese in den Mittelpunkt der Strategie-Entwicklung. „Weltmeisterlich“ geht man vor, wenn man in diese Bestandsaufnahme auch ausgewählte Geschäftspartner (z.B. Schlüssel-Kunden, Strategische Lieferanten oder Händler und Absatzmittler) mit einbezieht und auch zukünftig zu erwartende Entwicklungen und Trends berücksichtigt.

 


3.    „Ihr müsst so viel leisten wie noch nie, und dann werdet ihr bekommen, was ihr noch nie hattet!“
Wie inspirieren Sie Ihre Mitarbeiter und Teams?


So inspirierte und motivierte Jogi Löw seine Jungs vor dem Endspiel gegen Argentinien.

Auch Menschen im Büro arbeiten zwar für Geld, aber nicht ausschließlich. Die Sehnsucht nach etwas Außergewöhnlichem, Teil eines „ganz Großen“ zu sein, Beachtung zu finden, gemeinsam mit Kollegen/innen etwas zu erreichen, treibt Menschen oft mehr an, als nur das normale Monatsgehalt. Nur wie schaffen Unternehmen es, Visionen in die Köpfe Ihrer Mitarbeiter zu bekommen und sie zu außergewöhnlichen Leistungen zu inspirieren?

Speziell abstrakte Unternehmens-Ziele (x% mehr Marktanteil, Millionen mehr Umsatz,…) müssen „greifbar“ gemacht und der Beitrag  des Einzelnen bei der Zielerreichung anschaulich dargestellt werden, genauso wie der zu erwartenden Nutzen. Dies auch, um die Eigen-Motivation und das individuelle Verantwortungsgefühl zu stärken. Will man z.B. bzgl. Umsatz oder Marktanteilen den „Gipfel“ erreichen, kann der Weg zum Ziel vielleicht sogar tatsächlich mit einer gemeinsamen Bergtour gestartet werden. Dies, um nicht nur den Teamgeist zu stärken, sondern auch erlebbar zu machen, wie wie herrlich und belohnend nach einem anstrengenden Aufstieg der anschließende Blick vom Gipfelkreuz sein kann.


4.    Verwirren auch Sie Ihre Wettbewerber mit einer „falsche Neun“ und haben Sie immer einen Spieler mehr auf dem Feld?
Wie schafft man sich Wettbewerbsvorteile
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Jogi Löw verwandelte konsequent die Stärken seiner Spieler mit einem entsprechenden Spielsystem zu Wettbewerbsvorteilen, egal ob Torwart Neuer dabei „Manni den Libero“ gab, oder ob der Gegner unsere ständig rotierenden Offensiv-Spieler nicht zu fassen bekam und am Schluss sogar mit Mario Götze kein klassischer Mittelstürmer das goldene Tor erzielte.

Oft wird bei der Entwicklung von Unternehmensstrategien der Fehler gemacht,  sich ausschließlich auf das originäre Produkt-Angebot zu konzentrieren, ohne auch bei anderen Geschäfts-Prozessen Chancen für Innovationen und für wirksame Differenzierung zu suchen. Nimmt man z.B. den Autovermieter Sixt, oder den Versandhändler Zalando, steht hier eine klare Fokussierung auf Promotion und Differenzierung über aufmerksamkeitsstarke Werbekampagnen im Vordergrund, bei Vorwerk ist es die Konzentration auf den Direktvertrieb, auch mit speziellem Event-Charakter. Auch von diesen Beispielen kann man lernen, dass erfolgreiche Strategien nicht so einfach kopiert werden dürfen und vor allem langfristig angelegt sein müssen.


5.   „Wir sind alle Weltmeister“!
Haben Sie ein Weltmeisterteam?


Nach dem Schlusspfiff in Brasilien: Torhüter Manuel Neuer und Roman Weidenfeller, mit ihren Clubs Bayern München und Borussia Dortmund erbitterte Rivalen, feierten ausgelassen Arm in Arm und Jogi Löw bezeichnete „einen unglaublichen Teamgeist, ein großartiges Können und eine unglaubliche Willenskraft“ als die wichtigsten Faktoren für den Titelgewinn.

Diese Bilder und Aussagen zeigen, dass die beste Strategie nur erfolgreich sein kann, wenn sie auf den Fähigkeiten und der Erfahrung der beteiligten „Spieler“ beruht und wenn sich diese als Team verstehen. Die Rollen müssen auf Basis der individuellen Stärken klar verteilt sein und nur wenn die Mannschaft  vollen Einsatz zeigt, können ehrgeizige – manchmal auch auf den ersten Blick unmöglich erscheinende – Ziele erreicht werden. Aufgabe des „Teams hinter dem Team“ ist es, herauszufinden, für welche Aufgaben die einzelnen Spieler am besten geeignet sind, und auch, wer ein Teamplayer ist und wer nicht.

Hier helfen Gespräche, in denen auch die Beteiligten ihre Wünsche und Ziele zum Ausdruck bringen können, genauso wie das intensive Beobachten und Begleiten (Coaching) in der täglichen Praxis. Damit die Arbeit im und mit dem Team Spass macht und Erfolge bringt, ist auch die entsprechende Mischung entscheidend. Erfahrung und Freude am Ausprobieren, Experten und „Querdenker“, introvertierte und emotionale Typen. So motiviert sich das Team von alleine, gute Ideen fallen nicht unter den Tisch und man kann voneinander lernen.

 


6.    Sind Sie ein „Kampf-Schweinsteiger“ oder eher ein Ronaldo?
Sind Sie ein Vorbild in Ihrem Unternehmen?


Gott sei  Dank stand Bastian Schweinsteiger im Endspiel gegen Argentinien öfter auf, als er „hingefallen wurde“, liess sich auch von einem blutenden Cut nicht aufhalten und führte die deutsche Mannschaft mit seiner Leidenschaft und seinem Siegeswillen zum Titel.

Albert Schweitzer hätte dazu gesagt:  „Ein Beispiel zu geben ist nicht die wichtigste Art, wie man andere beeinflusst. Es ist die einzige.“ Und dies betrifft nicht nur die Mannschaft im Spiel, oder die Mitarbeiter/innen im Unternehmen, sondern ganz besonders die jeweiligen Führungskräfte. Morgens der Erste, Abends der letzte ist hier der Anspruch an die Verantwortlichen. Vorleben statt nur „Vorbeten“, nicht von anderen verlangen, was man selbst nicht bereit ist zu tun. Selbstdarsteller, die sich bei Erfolgen in den Vordergrund drängen und bei Misserfolgen die Schuld beim Team suchen, werden deswegen als Führungspersönlichkeiten nicht akzeptiert, ob „an der Seitenlinie“ oder als Manager im Unternehmen. Sich nicht unterkriegen lassen, leidenschaftlich für seine Ziele kämpfen, mit gutem Beispiel vorangehen. Das sind Eigenschaften von Vorbildern, egal ob im Beruf oder „auf dem Platz.“

 


7.    „Wat wolln se denn: Eine erfolgreiche WM, oder solln wir wieder ausscheiden und haben schön gespielt?! Ich leg mich jetzt erstmal drei Tage in die Eistonne!“
Reagieren erwünscht!


Diese Aussagen eines nach dem mühsamen 2:1 Sieg gegen Algerien sichtlich „angefressenen“ Per Mertesacker sind nicht nur authentisch und einfach nachzuvollziehen, sondern stehen symbolhaft für die generelle Frage: „Hauptsache gewonnen, egal wie, oder lieber nüchtern Ergebnis von Leistung und Einflussfaktoren trennen und bzgl. Aufstellung, System und Taktik eventuell reagieren?

Oft scheitern die besten Strategien einfach an den Mühen des Tagesgeschäftes, kurzfristigen Rückschlägen, unvorhergesehen Einflüssen und dem Rückfall der Beteiligten in alte Verhaltensmuster. Auf dem Weg zum gesteckten Ziel gehört deswegen Durchhaltevermögen genauso dazu, wie bei Abweichungen vom Kurs schnell und entschlossen zu handeln.

Dabei ist es wichtig, im ständigen Kontakt mit der Mannschaft zu bleiben, auf die Einhaltung der besprochenen und vereinbarten Massnahmen zu achten und die gewählte Strategie laufend an den aktuellen Rahmenbedingungen und Einflussfaktoren zu messen. Hektische Anpassungen sind dabei genauso fehl am Platz, wie das sture Festhalten am einmal gewählten Kurs, nur um keine Schwäche zeigen zu wollen.

Auch kann es trotz harmonischer Teambildung passieren, dass Stress innerhalb der Gruppe auftaucht. Frühzeitiges Konfliktmanagement vermeidet dabei unnötige Eskalationen und das Auseinanderfalles des Teams. Bei den dabei zu führenden Gesprächen ist es oft auch ratsam, neutrale Moderatoren (bei Unternehmen z.B. gerade auch aus der Personalabteilung) hinzuzuziehen, um sachlich und objektiv (und nicht emotional und befangen) die Lage zu beurteilen und den „Betriebsfrieden“ wieder herstellen zu können.
 
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wurde noch kurz vor Beginn des Turnieres für die ausgerufene Zielvorgabe „Wir wollen Weltmeister werden“ von vielen belächelt und diese Aussage als unrealistisch abgetan. Von Spiel zu Spiel konnte man aber erkennen, dass dieser Anspruch nicht pure Überheblichkeit war, sondern auf dem Bewusstsein der eigenen Stärken, eines klaren Planes und vor allem dem unbedingten Willen aller Beteiligten beruhte: Ein wahrhaft „weltmeisterlicher“ Plan, der jedem Unternehmen als Vorbild für nachhaltige Strategieentwicklung und deren wirkungsvolle Umsetzung dienen kann.


 
"Schon immer hat Ernst Holzmann das Erfolgsrezept für erfolgreiche Führung von Menschen und Teams aus seinem Beruf in seine zweite Leidenschaft - Fußball - eingebracht und umgekehrt. Er  trug knapp 30 Jahre Verantwortung (u.a. Geschäftsführer Vertrieb & Marketing; Leiter Unternehmensstrategie) in Unternehmen der IT-Industrie und hat als Trainer und Vorstand bei verschiedenen Vereinen gewirkt. Aktuell agiert er u.a. als Referent für Seminare, Dozent an Hochschulen und als Redner bei Veranstaltungen."

 

Mehr Informationen unter www.ernstholzmann.com.